Warum der Besuch einer Hundeschule oftmals für die Katz ist...

Hundeerziehung und Kuchen backen... einige "Parallelen" liegen auf der Hand.

Den ultimativen Kandidaten für die Hundeschule, vereinfacht landauf landab gerne auch als „Problemhund“ betitelt – wie erkennen wir ihn?

 

  • Gibt es ihn überhaupt?


  • Wie sieht er aus? Gross, klein, reinrassig, lang- oder kurzhaarig?


  • Er spricht und verhält sich wie ein Hund, aber niemand versteht ihn... ein Hund mit Fehlverhalten?


  • Er ist ein Spiegelbild seiner Umwelt, seiner Menschen - aber die Schuld bei Problemen trägt er alleine...

 

Das Phänomen der Problemhunde: arbeitet man nur lang genug im Tierschutz, kennt man sie alle…. die Gründe, warum ein Hund "schwierig" sein soll und nicht bleiben darf. Und egal, ob sie nachvollziehbar, verständlich und unvermeidlich sind, oder einfach nur die Folge von Unüberlegtheit, Spontaneität, mangelndem Durchhaltevermögen, Selbstüberschätzung  oder der falschen Wahl für den angeblich richtigen Hund… sie haben alle eins gemeinsam: der Hund muss gehen und sich von einem Tag auf den anderen wieder völlig neu orientieren. Herausgerissen aus dem zuvor so hoch und viel gepriesenen Familienleben, das man sich lange Zeit überhaupt nicht ohne Hund vorstellen konnte.

 

Gott sei Dank ist die Spezies „Hund“ anpassungsfähig und opportunistisch – schon zu wölfischen Urzeiten eine Überlebensgarantie... und erst recht in unserer Gesellschaftsform. Er wird sich in seiner neuen, hoffentlich hundekundigeren Familie bestens zurecht finden und lebenslang ein hundsgerechtes Leben führen dürfen.

 

Aber warum „funktioniert“ der Hund bei Familie A nicht und ist ein Traumhund bei Familie B? Es ist doch derselbe Hund?! Richtig, der Unterschied in diesem Vergleich sind die Menschen und ihre Erfahrungen, ihr Lebensumfeld, ihre Einstellungen. Man würde ja auch nicht von 3-jährigen Kind behaupten, dass es ein "Fehlverhalten" aufweist, wenn es auf die Strasse läuft und angefahren wird… Verantwortlich für das Verhalten „lebendiger Wesen“ ist nun einmal derjenigen, der „führt“, leitet und damit Einfluss auf Geschehnisse und Reaktionen nehmen kann, der antizipativ (vorausschauend) denken und handeln kann. Und das kann weder ein Kleinkind noch ein Hund…

 

Der oftmals letzte Ausweg, vor einer endgültigen Abgabe: der Besuch einer Hundeschule. Nur… wie erkennt man eine „gute“ Hundeschule? Schließlich behaupten sie doch alle von sich, die (Hunde)Weisheit mit Löffeln vernascht zu haben – jeder Trainer auch gleichsam ein Hundeflüsterer ist. Diplome jeglicher Art und Verweise auf besuchte Weiterbildungsseminare zieren ihre Homepage und Visitenkarten und vermitteln uns den Eindruck, sie wissen viel, wenn nicht sogar alles… im Gegensatz zu uns, den mühsam aspirierenden Hundeverstehern in Eigenregie.

 

Problemhunde, Fehlverhalten und das, was wir als solches betrachten - kurzum… kommen wir zu den Mars-Anekdoten:

 

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wachen morgen früh auf und anstatt des vertrauten Anblicks der gelb-karierten Gardinen Ihres Dachfensters sehen Sie… kleine grüne Marsmenschen! Kein Irrtum möglich – SIE leben jetzt auf dem Mars! Noch etwas verunsichert beim Anblick dieser neuen Spezies „Mensch“ wagen Sie den ersten zaghaften friedensstiftenden Schritt und reichen Ihre Hand zur Begrüßung. So, wie Sie es alle Jahre zuvor gelernt und erfolgreich praktiziert haben. Als Kind unter den wohlwollenden stolzen Augen Ihrer Eltern, als Erwachsener dem Modus vivendi der „erzogenen“ Gesellschaft huldigend… SO demonstriert man gute Manieren, gute Erziehung!

 

Und als Sie nun, in dieser völlig neuen Situation, auf dieses altbewährte Verhalten zurückgreifen, schlägt man Ihnen auf die ausgestreckte Hand und zieht stattdessen an Ihrem rechten Ohrläppchen! Sie werden gleich von mehreren (Ketten)reaktionen überwältigt: erstens… Sie ziehen mit schmerzverzerrter Verständnislosigkeit und Irritation Ihre Hand zurück; zweitens… Sie treten 2 Schritte zurück und prüfen, ob Ihr Ohr noch unversehrt ist und drittens… Sie beobachten verunsichert, ob noch ein weiterer „Angriff“ erfolgt.

 

Was Sie nicht wissen (können): es gehört zu den höflichen Geflogenheiten der Marsmenschen, sich durch „Ohrläppchen-Reiben“ ihrer Wohlgesonnenheit und gegenseitigem Respekt zu vergewissern. Handschütteln hingegen ist verpönt, geradezu unerhört und eine Beleidigung 1. Grades!

 

Da Ihnen auch die Sprache der Marsmenschen fremd ist, Sie aus dem Wirrwarr der Laute keinerlei Zusammenhang oder Botschaft erkennen können, bleiben Ihnen nur 2 Möglichkeiten: die Hoffnung, möglichst bald wieder aus diesem Albtraum zu erwachen oder… durch genaues Beobachten der Körper- und Zeichensprache dieser Fremdlinge zu lernen und zu verstehen, was erwünscht (positive Folgen) und was unerwünscht (Ausbleiben der positiven Folgen) ist. Wenn Sie Pech haben, werden Sie auf eine Supernova verbannt – wegen fortwährenden Fehlverhaltens (übersetzt: Sie lernen nicht schnell genug…) und sollten Sie gar auf den Gedanken kommen, die Ohrläppchen-stimulierende Hand abzuwehren… dann, ja dann gelten Sie fortan als höchst-aggressiv und unberechenbar – ein Fall für den roten Gesteinskerker für die nächsten 40 Mondjahre!

 

Eine gute Hundeschule - sie sollte die Fähigkeit besitzen, Marsbesucher (Hunde) und Marsbewohner (Halter) kommunikativ auf eine gemeinsame Verständigungsebene zu hieven – gewaltlos, stressfrei mit soviel Körpersprache wie möglich und so wenig Verbalien wie nötig!

 

Einen Ratgeber für die Auswahl der guten, der richtigen Hundeschule…. eine sehr schwierige Herausforderung. Denn neben den rein objektiven Kriterien, die sich oftmals sehr schnell und eindeutig durch mehrmaliges Beobachten der regulären Trainingsstunden beurteilen lassen, spielt selbstverständlich auch das subjektive Empfinden, die persönliche Erwartungshaltung der Hundebesitzer eine entscheidende Rolle. Und da wären wir eigentlich bei dem Punkt angelangt, der selbst bei einer 5-Kompetenzsterne-Hundeschule maßgeblich über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Denn der Besuch einer „guten“ Hundeschule und dem daraus resultierenden Erfolg für Hund & Herr - er definiert sich eben auch über die Lernfähig- und - nicht zu unterschätzen - die Lernwilligkeit der Hundehalter.

 

Wenn man allerdings so manchem Hundehalter auf den Zahn fühlt bezüglich seiner subjektiven Gründe bei der Auswahl „seiner“ Hundeschule, die er nun verlässt, weil es „nichts gebracht“ hat, dann ist man hin und her gerissen zwischen wortloser Verständnislosigkeit und tränenreichen Lachattacken:

 

1. Man geht hin, weil alle dorthin gehen;

 

2.… weil der Tag, an dem der Hund zur Hundeschule geht, der einzige in der Woche ist, an dem Hund für gut 1 Stunde beschäftigt ist, während man oder Frau Kaffee trinkt und nett beisammen sitzt und der Hund anschließend den Rest des Tages ruhig und ausgelastet in der Ecke liegt;

 

3. Der Hundetrainer sucht die Verantwortung beim Halter und nimmt ihn in die Pflicht - ein Novum für viele; heißt es doch schließlich „Hundeschule“ und nicht „Hundehalterschule“…;

 

4. Der Hundehalter versteht tatsächlich, was er im Umgang mit dem Hund ändern soll, bringt es aber nicht über´s Herz;

 

5. Der Hundehalter hat keine Lust/Zeit, das Training von nun an konsequent und jederzeit auch Zuhause anzuwenden;

 

6. Der Hundehalter sieht nicht den ganzheitlichen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung im Tagesgeschehen;

 

7. Der Hundehalter erkennt erst gar nicht, dass sein Hund ein Problem hat, weil er selber keines damit hat...

 

8. Der  Hundehalter erkennt Ursache & Wirkung, verirrt sich aber in menschlichen Ausreden und scheut den folgenden Zeit- und Arbeitsaufwand...

 

9. Der Hundehalter ist nicht fähig, Kritik jeglicher Art unvoreingenommen aufzunehmen und blockiert bereits aus gekränkter Eitelkeit;

 

10. Der Hundehalter hat ein Problem mit den (menschlich negativ besetzten) Worten wie Hierarchie, Führung & Kontrolle, Einschränkung, Abhängigkeit... alles für den Hund und seinen Ursprung völlig normale und lebenswichtige Kriterien.

 

Die letzten beiden Aufzählungen finden sich auch in (fast) jedem öffentlichen „Diskussionsforum“ wieder. Immer wieder lesenswert, oder auch nicht. Das Schema – leicht erkennbar. Besitzer A schreibt einen Erstbeitrag und zählt zunächst auf, wie viele Jahre Hundeerfahrung sie schon besitzt, was sie bisher alles richtig gemacht hat und wie sie alles bestens unter Kontrolle hat. Dann erfolgt ein leichter, beiläufiger Schwenk in Richtung „ich wende mich an Euch, weil….“ und während man das klitzekleine, eigentlich gar nicht nennenswerte Problem unter all diesen Erfolgen hervorzieht und mit einer Frage hierzu beginnt, hat man am Ende des Satzes auch schon die eigene Antwort parat. Warum man hier eigentlich um „Rat“ fragt?

 

Richtig… man erwartet eine Bestätigung von berufener Seite – alles richtig erkannt, alles richtig gemacht – Bravo! Und wehe… die Antwort des kontaktierten Expertenforums fällt anders aus! Egal, wie solche Antworten dann formuliert werden… eines dürfen sie auf gar keinen Fall – widersprechen! Tun sie es doch und hinterfragen Verhaltensweisen des Hundes und Interpretationen der Halter („… er schnappt immer nach meiner Hand, wenn ich ihn vom Esstisch abdränge… aber nur manchmal… er weiß ja eigentlich schon, dass er das nicht darf und akzeptiert mich…“), dann ist Besitzer A enttäuscht, spricht den „Experten“ jegliche Kompetenz ab (weil sie schließlich weder sie selbst noch ihren Hund persönlich kennen…) und verlässt im Sauseschritt das Forum. Die Frage, die bleibt, ist für den aufmerksamen und (lernwilligen) Leser eigentlich immer dieselbe: warum wendet man sich an ein Forum mit der Bitte um Hilfe, wenn man nur hören will, was man hören will? 

 

Ich stelle mir solche Halter dann immer beim Arzt vor: sie gehen mit Schmerzen im rechten Bein zum Facharzt und sagen ihm bereits in Eigendiagnose vor seiner Untersuchung, dass es nur eine Zerrung ist. Wenn der Arzt dann aufgrund der Symptomatik (und natürlich seiner Erfahrung…) vermutet, dass es sich um einen Beinbruch handelt und zum Röntgen bittet, verlassen sie wutentbrannt die Praxis mit dem Hinweis, wie er (der Arzt…) denn auf so eine absurde Feststellung käme… schließlich kenne sie sich und ihren Körper doch viel besser und vor allen Dingen… auch viel länger!

 

Zurück zur Hundeschule. Eine gute Hundeschule kann nur so erfolgreich sein, wie der Hundehalter lernfähig und –willig ist. Menschliche Ausreden, warum ein Hund dies oder jenes nicht tut, ist genauso wenig hilfreich wie eine distanzierte Voreingenommenheit oder ein Wetteifern um die eigene Qualifikation. Leider haben fast alle „outdoor“ Hundeschule das gleiche Manko: sie trainieren auf dem Vereinsgelände und vernachlässigen den „wohnlichen“ Ursprung der Misskommunikation zwischen Hund und Halter, denn Erziehung beginnt zu allererst zu Hause, in den eigenen 4 Wänden, dort, wo wir die meiste Zeit mit unserem Vierbeiner verbringen, ganz bewusst (zu den aktiven Tageszeiten) wie auch unbewusst (abends vor dem Fernseher, nachts etc.). Da der Hund nicht unterscheidet zwischen „On“ und „Off“ – Zeiten (will heißen, es gibt nach seinem Verständnis keine Unterteilung in Arbeitszeit und Freizeit wie bei uns Menschen…), reduziert sich die Erziehung und das Miteinander nicht auf die Zeit, die wir unserem Hund aktiv stundenweise widmen. Hunde beobachten uns und unser Verhalten jederzeit (auch, wenn es uns nicht auffällt…) und lernen daraus. Und nicht immer das, was wir möchten oder erwarten! Ein „Abtrainieren“ von unerwünschten Verhaltensweisen auf dem Hundeplatz beseitigt weder den Mangel an konsequenter, eindeutiger Kommunikation seitens des Halters im Alltag, abseits des Hundeplatzes, noch bietet es dem Hund die Möglichkeit, in jeder für ihn wichtigen Situation (im Haus/Garten/Spaziergang/Autofahrt) auf die Souveränität seines Halters vertrauen zu können und ihm somit folgerichtig jegliche Entscheidung als "ranghöheres Wesen" zu überlassen.

 

Erziehung beginnt immer zu Hause – oder erziehen Sie Ihr Kind vor dem Eisregal im Supermarkt, während es zu Hause bei jedem Knatschen gleich ein Päckchen Süßigkeiten bekommt? Das Kind/der Hund in der Öffentlichkeit ist ein Spiegel des häuslichen Miteinanders… oder eben auch des „Gegen“einanders. Eine gute Hundeschule arbeitet nicht an den Symptomen/den offensichtlichen (negativen) Auswirkungen, sondern an den Ursachen, den Gründen, die ein Fehlverhalten auslösen. Und diese zeigen sich nicht nur ausschnittsweise während des 1-stündigen Besuches auf dem Hundeplatz, sondern am besten in ihrer ganzen Vielfältigkeit im Alltag zu Hause… in der täglichen Demonstration der bestehenden Mensch-Hund-Beziehung: nicht am Mensch alleine, schon gar nicht am Hund… sondern in der jeweils sehr individuellen, wechselseitigen Beziehung zu einander.

 

Bevor man also als Hundehalter seine - rein subjektiven - Ansprüche an eine gute Hundeschule stellt, sei vorab die Frage nach der eigenen "Kompatibilität" erlaubt: Bin ICH ein guter "Hunde-Schüler"? Kann ich zuhören, bin ich bereit, neue Inhalte und Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten, anzunehmen, umzudenken? Oder suche ich nur ein Lob für meine bisherigen Erziehungsmethoden und die Bestätigung, dass ich - trotz anhaltendem Fehlverhalten des Hundes - alles richtig mache? Da würde selbst Lassie kapitulieren...

 

Merke: Mit dem erfolgreichen Besuch einer Hundeschule verhält es sich ähnlich wie mit dem Backen eines leckeren Kuchens - ein gutes Rezept alleine genügt nicht! Es bedarf zusätzlich eines funktionierenden Ofens, einwandfreier Zutaten und des richtigen Timings.

 

Und auch der Erfolg nach dem Gang in die Hundeschule stellt sich nicht allein aufgrund der Kompetenz der Trainer ein, sondern benötigt die Lernfähigkeit, den Willen und die Konsequenz des Hundehalters, alle Kommunikationshilfen konsequent umzusetzen.

 

Denn... ein guter Trainer und ein guter Hund machen noch lange keinen guten Hundehalter!

 

Martina Wald

www.angsthunde-intensivtraining.de

Kontakt

Martina Wald

martinawald@t-online.de

 

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